Geisterorte in Europa.
Verlassene Lungenheilstätten und Sanatorien.
Einst errichtet zum Kurieren der Tuberkulose.
Lost Places in Deutschland, Belgien und Frankreich.
Spannend für Urban Explorer.



Unglück ist auch gut.
Ich habe viel in der Krankheit gelernt,
das ich nirgends in meinem
Leben hätte lernen können.

Johann Wolfsgang von Goethe
1749 - 1832



Lungenheilstätten - Geisterorte mit bewegter Geschichte

Deutschland – ausgehendes 19. Jahrhundert. Das wilhelminische Kaiserreich war ein Land volle Widersprüche. Seine militärische Stärke und der enorme wirtschaftliche Erfolg, der auf den Früchten der industriellen Revolution und einer damit einhergehenden Hochkonjunktur fußte, prägen das Bild, welches heute noch gern von Geschichtsbüchern gezeichnet wird. Die beginnende Sozialgesetzgebung, Vollbeschäftigung, eine gestiegene Lebenserwartung und das feudale Leben des Adels und der Industriellen sind meist weitere Stichworte, die mit dieser Zeit in Verbindung gebracht werden.

Viel seltener hingegen spricht über das Mycobacterium tuberculosis – also den Erreger der Tuberkulose, der Volksseuche dieser Zeit. Noch heute führt die TBC die weltweite Statistik der tödlichsten Infektionskrankheiten an, auch wenn wir in Deutschland davon kaum noch etwas mitbekommen. Damals – gegen Ende des 19. Jahrhundert – war das anders.

Die TBC zählte zu den häufigsten Todesursachen der damaligen Zeit. Obwohl Robert Koch bereits 1882 den Erreger entdeckte, gab es noch kein effektives Heilverfahren. Also starben die Menschen landauf und landab an dieser Infektionskrankheit. Allein in Deutschland gab es Jahr für Jahr bis zu 120.0000 Menschen, die die Schwindsucht (so nannte man die Tuberkulose damals auch) dahinraffte. Und sie machte keinen Standesunterschied. Arbeiter und Adel betraf das Problem gleichermaßen.

Aufgeschreckt von dieser Entwicklung begannen die Krankenversicherungen der Arbeiterklasse neue Lungenheilstätten zu errichten, um der TBC entgegenzutreten. Ihr Kalkül war schlicht, einfach und berechnend: Die Heilung eines Versicherten war unterm Strich günstiger als sein Tod. Denn dann musste der Versicherungsträger den Hinterbliebenen eine Rente auszahlen. Also entstanden abseits der Metropolen etliche Sanatorien, die die Flut der Erkrankten aufnahmen. Etliche von ihnen verschwanden mit der Zeit. Denn irgendwann standen auch wirksame Medikamente zur Behandlung der TBC zur Verfügung, die eine Kur in einer Lungenheilstätte überflüssig machten. Einige von ihnen wurden Mitte des letzten Jahrhunderts grundlegend umgebaut und anderen Bestimmungen zugeführt.

Sehr wenige von ihnen stehen noch heute im fast ursprünglichen Zustand. Die bekanntesten Sanatorien unter ihnen sind die Heilstätten Beelitz in der Nähe von Berlin, die Johanniter-Heilstätten im Harz oder das Sanatorium Hohenlychen. Aber auch in Frankreich oder Belgien gibt es heute noch eindrucksvolle Lost Places mit gleicher Geschichte. Ich danke da beispielsweise an das Preventorium Dolhain oder die eindrucksvolle Clinique Laennec und das Sanatorium d'Aincourt in Frankreich. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind schon seit Jahren verlassen. Sie schlummern. Für mich sind sie Geisterorte mit einer bewegten und bewegenden Geschichte.

Geisterorte - Lungenheilstätten - Sanotorien - Lost Places


Ich bin zu der Meinung gekommen,
dass die Tuberkulose, so wie ich sie habe,
keine besondere Krankheit,
keine eines besonderen Namens werte Krankheit ist,
sondern nur eine ihrer Bedeutung nach vorläufig
nicht einzuschätzende Verstärkung des
allgemeinen Todeskeims.

Franz Kafka
1883 - 1924

Lost Place - Geisterorte - Heilstätte Grabowsee - Deutschland

Lost Place: Heilstätte Grabowsee

Krankheiten, besonders langwierige,
sind Lehrjahre der Lebenskunst und
der Gemütsbildung.

Novalis
Georg Philipp Friedrich Leopold Freiherr von Hardenberg
1772 - 1801

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