Borschemich
im Januar 2017


Ein sterbendes Dort in Nordrhein-Westfalen.
Geisterstadt in Deutschland.
Lost Place.


Im Januar 2017 hatte ich endlich mal wieder die Gelegenheit, einen Abstecher zur Geisterstadt Borschemich zu machen, um mich dort umzusehen. Mein letzter Besuch im September 2016 ist immerhin schon wieder etliche Woche her. Ich rechnete damit, dass sich vor Ort viel getan hat. Und doch war ich entsetzt als ich nach langer Fahrt in Borschemich ankam:

Von der Gemeinde ich nicht mehr viel übrig. Inzwischen wurden ganze Straßenzüge abgerissen. Vor allem die Straßen und Häuser, die ich bei meinen letzten Besuchen gern durchstreifte und wo ich etliche schöne Motive fand. Nix ist mehr übrig davon. Alles weg. Inzwischen haben sich die Abrissbagger sogar bis zu dem kleinen Kreisel vorgearbeitet, der einst den Ortskern darstellte. Noch ein paar Wochen und auch von diesem wird nicht mehr zu sehen sein. Man kann ihn dann nur noch erahnen. Und Eile ist geboten, denn die Braunkohlebagger sind schon in Sicht- und Hörweite. Sie haben Hunger und wollen sich diesen Flecken Erde einverleiben.


Geisterstadt Borschemich - 1/2017

    • Geisterstadt Borschemich - Nordrhein-Westfalen - Deutschland
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Ich ahnte schon, dass mein Streifzug durch die Geisterstadt Borschemich sehr kurz werden wird. Doch ich traf einen Exil-Borschemicher. Einen alten Mann, mit Stock, Hut und verbitterter Miene. Als ich ihn ansprach reagierte er erst abweisen. „Laß mich in Ruhe …“. Doch ich blieb hartnäckig. Ich erzählte ihm, dass ich das Schicksal von Borschemich versuche in Zeitraffer zu dokumentieren. Dieses Interesse an seiner Heimat weichte ihn auf. Und er begann zu plaudern. Nicht über die Vergangenheit des Ortes, sondern über das Hier und Jetzt. Er gehört zu den letzten, die hier einst wohnten. Mit dem Stock zeigte er auf ein Haus, wo man „den Letzten von uns“ finden kann. In der Tat. Das Einfamilienhaus ist mir gleich aufgefallen. Blumen in den Fenstern und Autos vor der Tür.

Und der alte Mann schilderte die Heimsuchungen, die sich hier nächtlich ereignen. Ich will mal seine Worte nicht wörtlich, sondern nur sinngemäß wiedergeben. Ansonsten gäbe es Probleme mit dem Jugendschutz. Er schilderte, dass selbst die Ruinen noch von Vandalen besucht werden. Sie rupfen alles aus den Häusern, was nicht niet- und nagelfest ist. Meine unbedachte Frage, was das schon mache … es wird ja in einigen Wochen eh nichts mehr vorhanden sein, quittierte er mit einem bösen Blick und noch mehr Geschimpfe über die Unholde, die auch sein Haus zerstörten bevor es abgerissen wurde.

Seltsam. Der Mann scherte sich mehr um das, was eh bald nicht mehr vorhanden sein wird. Und nicht um die Ursache, warum dies alles geschieht. Das kam in seinem Geschimpfe nicht einmal vor.


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Mein bisherigen Besuche der Geisterstadt Borschemich waren im
November 2014, März 2015, Mai 2015 und September 2015. Im Jahr 2016 besuchte ich die Geisterstadt im Januar 2016 und im September 2016. Mein wahrscheinlich vorerst letzter Besucht führte mich im Januar 2017 nach Borschemich. Mein letzter Besuch: Juni 2017.


Die einzige Sehenswürdigkeit der Gemeinde war
die Pfarrkirche St. Martinus.
Sie wurde inzwischen abgerissen.


Selbstverständlich schaute ich mir auch
den Totengräber von Borschemich an.

Tagebergbau Garzweiler II


Wissenswertes zum Thema:

Liste abgebaggerter Orte
Doku Tagebergbau Garzweiler II