Borschemich
im September 2015


Ein sterbendes Dort in Nordrhein-Westfalen.
Geisterstadt in Deutschland.
Lost Place.


September 2015 ... ein wechselhafter Tag. Nach langer Zeit fand ich endlich mal wieder Zeit für einen ausgiebigen Besuch der Geisterstadt Borschemich in Nordrhein-Westfalen. Ich war gespannt auf meinen Besuch, denn zuletzt waren die Abrissarbeiten recht weit vorangeschritten. Es überraschte mich daher nicht, dass Teile des Ortskerns (im Nord-Westen der Gemeinde) bereits dem Erdboden gleich gemacht wurden. Die Volksbank-Filiale, das kleines Geschäftsgebäude gegenüber und die Wohnhäuser wurden allesamt dem Erdboden gleich gemacht. Eine Gras- und Unkrautfläche befindet sich dort. Und im Westen des kleinen Örtchens schreitet der Abriss eh mit Riesenschritten voran. Hier sind die Schaufelbagger des Tagebergbaus Garzweiler II besonders nah, so dass die verbliebenen Gebäude anscheinend mit einer gewissen Eile abgerissen werden, um Platz zu schaffen.

Es gab aber noch weitere Veränderungen: Ich erfuhr beispielsweise, dass man seinen Wagen nicht mehr in der Gemeinde abstellen darf. Wenn die Polizei in Borschemich eine Stippvisite macht, soll es 40 Euro kosten. Ganz schön happig. Und nachts darf man gar nicht mehr in den Ort hinein. Dies alles sind Maßnahmen, um Randalierer und Metalldiebe von ihrem zerstörerischen Werk abzuhalten. Ob das etwas bringt? Sicher nicht.


Geisterstadt Borschemich - 9/2015


Borschemich wirkte wie ausgestorben. Ich sah nicht einmal die verschiedenen Reisebusse, die zuletzt Touristen hierher karrten, damit sie sich am Leid anderer Menschen, die Haus und Hof aufgeben mussten, ergötzen konnten. Doch ein alter Bauer lief mir über den Weg. Ein Mann, der anscheinend ziellos zwischen den Häusern hin und her huschte. Mit forschendem Blick. Als er mich sah blieb er für einen kurzen Plausch stehen ... es war irgendwie mehr ein Monolog, denn er hatte anscheinend großem Mitteilungsbedürfnis:

„An den Wochenenden ist es besonders schlimm!
Dann brechen die Spinner reichenweise die Häuser auf,
um die letzten Reste an Metall aus den Gebäuden zu holen.
Aber anscheinend war es letzte Nacht ruhig.
Denn sonst liegen Reste auf der Straße …“
so der Bauer.


Schilderungen, die ich kaum glauben kann. Blauäugig wie ich nun halt gelegentlich bin, frage ich nach der Polizei. Seine Antwort:
„… die geben Ihnen ein Knöllchen, weil sie im Ort parken. Aber wenn man sie ruft, kommen sie nicht.“



Dass das Ende von Borschemich in greifbarer Nähe ist, entnahm ich einer anderen Begebenheit. Kurze Zeit später wurde ich nämlich vom Wachpersonal der RWE angesprochen. Mein Auto ... parken verboten ... 40 Euro Strafe, wenn die Polizei kommt bzw. käme. Jaaaa. Ich weiß. Plötzlich stand ein Mann in unserer Nähe. Ohne ersichtlichen Grund rastete er komplett aus. Zuerst dachte ich, dass er mich meinte. Nein. Das Wachpersonal war sein Aufreger. Er brüllte, schimpfte und beschimpfte. Dies alles mit einer solchen Aggressivität und einem solchen Hass, den ich schon lange nicht mehr erlebte. Erschreckend. Ich denke, dass er einer der Letzten ist, der im Ort verweilt und nun auch das Weite suchen muss. Das Ende ist nah, so dass der Borschemich jetzt zu räumen ist.

Verstört von dieser Begebenheit machte ich mich auf dem Weg nach Immerath.
Es ist ja nur einen Katzensprung von hier entfernt.



Mein bisherigen Besuche der Geisterstadt Borschemich waren im
November 2014, März 2015, Mai 2015 und September 2015. Im Jahr 2016 besuchte ich die Geisterstadt im Januar 2016 und im September 2016. Mein wahrscheinlich vorerst letzter Besucht führte mich im Januar 2017 nach Borschemich. Mein letzter Besuch: Juni 2017.


Die einzige Sehenswürdigkeit der Gemeinde war
die Pfarrkirche St. Martinus.
Sie wurde inzwischen abgerissen.


Selbstverständlich schaute ich mir auch
den Totengräber von Borschemich an.

Tagebergbau Garzweiler II


Wissenswertes zum Thema:

Liste abgebaggerter Orte
Doku Tagebergbau Garzweiler II