Geisterstadt Borschemich.

Ein sterbendes Dort in Nordrhein-Westfalen.
Bald wird es komplett verschwunden sein.
Es muss dem Tagebergbau Garzweiler II weichen.

Geisterstadt in Deutschland.
Lost Place.

Geisterstadt Borschemich im September 2016


Borschemich im September 2016
. Seit meinem letzten Besuch der Geisterstadt im Januar des Jahres hat sich das Bild des Ortes massiv verändert. Ich war richtig erschrocken als ich durch die Straßen schlenderte und die Häuser, die ich einst fotografierte gar nicht mehr vorhanden waren. Noch ein paar Monate und man kann nur noch erahnen, wo Borschemich einst war. Fast der ganze nördliche Teil der Gemeinde ist oder wird in Kürze abgerissen. Und der komplette östliche Teil ist inzwischen auch verschwunden. Just hier habe ich mich bei meinen letzten Besuchen immer wieder getummelt, um einige meiner Lieblingsaufnahmen von Borschemich zu machen. Ach ja, die Pfarrkirche St. Martinus ist auch verschwunden - Sie war das einzige Schmuckstück dieser ländlich geprägten Gemeinde. Die Pfarrkirche wurde Anfang des letzten Jahrhunderts erreichtet, zwischen 1906 und 1907. Verschwunden ist ferner das in Sichtweite befindliche Haus Paland, welches aus dem 16. Jahrhundert stammte. Alles weg.

Die Abraumbagger vom Tagebergbau Garzweiler II sind auch schon bedrohlich nah an die Gemeinde herangerückt. Beim Schlendern durch die Straßen (Bürgersteig und Straße waren noch vorhanden, die Häuser rechts und links davon fehlten) stand ich plötzlich am Rand des riesigen Schlundes des Tagebergbaus. Das DrrrumDrrrrrumDruuuum der Bagger habe ich natürlich schon früher vernommen. Es legt sich wie ein Klangteppich des Todes über die gesamte Gemeinde. Man muss gar nicht in Richtung der Bagger schauen, um dieses dumpfe Geräusch wahrzunehmen. Ihr Hunger ist nicht zu stillen. Bald beginnen sie, große Happen von Borschemich abzuknabbern.

Das Bild der Geisterstadt Borschemich hat sich jedoch auch noch auf eine andere Art und Weise verändert: Früher traf man dort noch etliche Menschen. Einwohner, die sich nochmals von ihrem Haus verabschieden wollten. Kleine Reisegruppen, die sich am Anblick der sterbenden Gemeinde ergötzten. Spaziergänge beziehungsweise Fahrradfahrer, die die Gemeinde beim Sonntagsausflug querten. Und natürlich Fotografen, die die Häuser und Straßen dokumentierten. Letztere gibt es noch … alle anderen traf ich bei meinem letzten Besuch nicht mehr an. Es liegt wahrscheinlich daran, dass große Teile von Borschemich gesperrt sind. Der Zutritt zum nördlichen und westlichen Teil der Gemeinde ist verboten und das Wachpersonal vertreibt all diejenigen, die sich nicht daran halten.

Ich hatte Glück … die freundlichen Gesellen vom Wachschutz waren gerade anderweitig beschäftigt, weil sie Fotografen beim (verbotenen) Betreten leer stehender Häuser erwischten. Ich nutze die Chance, um durch die Absperrung zu schlüpfen. Anfangs freute ich mich darüber. Doch dann sah ich, was aus der Gemeinde geworden ist. Wie gesagt … so viele was ich bisher mit Inbrunst fotografierte ist verschwunden. Und der Rest wird in Bälde folgen. Borschemich wird nicht mehr lange existieren. Spätestens jetzt wird jedem klar, dass das Ende nah ist und die Geisterstadt verschwunden sein wird.