Immerath
im April 2014


Ein sterbendes Dort in Nordrhein-Westfalen.
Geisterstadt in Deutschland.
Lost Place.


Immerath - mein erster Besuch

April 2014. Dies ist mein erster Besuch der Gemeinde Immerath in Nordrhein-Westfalen. Es ist Samstag, gegen Mittag. Und mich beeindruckt die Stille des Ortes. Auf den Straßen sind keine Menschen. Ab und an saust ein Auto vorbei. Ich kann förmlich spüren wie das Leben aus diesem Ort weicht. Begegne ich dennoch einmal einem Menschen auf der Straße, schaut er mich mit einer Bitterkeit an, die ich gut nachempfinden kann. Keiner gibt gern seine Heimat auf und wird dabei noch von Fotografen begleitet. Mir würde es dabei auch nicht gut gehen.

Nach langer Suche finde ich eine alte Dame, die ich anspreche. Vorsichtig taste ich mich heran. Frage nach der Gesichte und Zukunft: "Was soll ich woanders? Ich sterbe eh bald und vielleicht ist es mir ja vergönnt, noch vor meinem Umzug das Zeitliche zu segnen. Meine Familie lebte hier seit Ewigkeiten. Mein Vater und Großvater waren Bauern und ernährten sich von dem, was der Boden hergab. Und jetzt wird mir dies zum Verhängnis."

Traurige Worte einer alten Dame, die sich nicht von ihrer Heimat trennen kann. Wenn ich mir die freundliche Frau etwas genauer ansehe, muss sie es wahrscheinlich auch nicht mehr. Sie gehört zu den vierzig Einwohnern, die sich bis heute nicht entschließen konnten, umzusiedeln, obwohl der Ort bereits gänzlich ausgestorben ist. Vierzig Menschen von einmal mehr als 1500 Einwohnern, die in Immerath lebten, feierten und lachten.

Geisterstadt Immerath - April 2014

Immerath - Geisterstadt

Immerath - Bagger fressen einen Ort

Am 20. Januar 2006 fand der erste Spatenstich zur Einweihung der neuen Gemeinde statt. Sie entsteht nahe der Kreisstadt Erkelenz. Diesen Anlass nutzte Gisela Berger für eine kurze und emotionale Ansprache - mich haben diese Worte sehr berührt. Gisela Berger engagiert sich im Bürgerbeirat Immerath:

"Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, sehr geehrte Damen und Herren, es ist gar nicht so einfach, die passenden Worte für einen Tag wie diesen zu finden. Schließlich bedeutet dieser 1. Spatenstich, dass ich damit beginne, unsere alten Dörfer zu Grabe zu tragen. Und dies Ironie des Schicksals auf Einladung des Verursachers RWE Power. Zweifelsohne erfüllt mich dies mit Bitterkeit und einer Wut darüber, dass uns allen diese Tragödie nicht erspart bleibt. Nur schwer kann ich mich damit abfinden, dass unsere jahrhundertealten Ortschaften in der Kulturlandschaft Erkelenzer Börde von Braunkohlebaggern aufgefressen werden; dass wir ... zu Umsiedlern werden. Aufgrund dieser Gefühlslage und das möchte ich hier ausdrücklich betonen fällt mir dieser Spatenstich sehr, sehr schwer. "

Die komplette Rede von Gisela Berger findest Du auf der Homepage Bürgerbeirat Immerath. Diese Seite kann ich im Übrigen jedem empfehlen, der Anteil am Schicksahl von Immerath hat.



Mein bisherigen Besuche der Geisterstadt Immerath waren im
April 2014, Oktober 2014, November 2014, März 2015, Mai 2015 und Juni 2015. September 2015, Januar 2016, April 2017 und im Januar 2017. Nochmals im Juni 2017.

Selbstverständlich schaute ich mir auch den Totengräber von Immerath an.
Tagebergbau Garzweiler II

Wissenswertes zum Thema:
Liste abgebaggerter Orte
Doku Tagebergbau Garzweiler II