Immerath
im März 2015


Ein sterbendes Dort in Nordrhein-Westfalen.
Geisterstadt in Deutschland.
Lost Place.


Immerath - der Abriss schreitet voran

Geisterstadt Immerath – Anfang März 2015. Ich war nun schon etliche Wochen nicht mehr in Immerath (Nordrhein-Westfalen). Irrigerweise ging ich davon aus, dass ich in der Zwischenzeit in dieser Geisterstadt nicht viel getan haben könnte. Es war ja Winter und da sollten doch die Abrissarbeiten ruhen, die dem Tagebergbau Garzweiler den Weg bereiten werden. Ich täuschte mich. Und ich war überrascht – traurig überrascht.

Aber der Reihe nach. Im Zentrum von Immerath hat sich seit meinem letzten Besuch im November 2014 nicht viel getan. Die Kirche steht (noch). Die Häuser dort herum auch. So weit, so gut. Geschockt war ich, als ich die Einfamilienhaussiedlung im Südwesten von Immerath besuchte.

Hier musste das komplette Grün den Baggern weichen. Kein Baum, kein Strauch. Etwas Moos und spärlicher Rasen. Im Regelfall durchgepflügt von den Abrissbaggern. Grundstück für Grundstück. Nichts ist mehr übrig vom geliebten Vorgarten der einstigen Bewohner dieser Häuser. Ab und an dann ein Lichtblick. Wobei … ich muss mich korrigieren: Ab und an eine Trutzburg. Ein Grundstück mit viel Grün. Das Haus noch (!) bewohnt und der Garten wie eh und je gepflegt. Es ist traurig, sich daran zu erinnern, dass dies das letzte Aufbäumen vor dem Abriss sein wird.

Immerath - Impressionen von der sterbenden Gemeinde - Teil I


Als ob dies nicht reichte. Einen Schock bereitete mir mein Besuch des Nordens der Gemeinde. Also die Region rund um das Kloster und das Krankenhaus von Immerath. Hier gleicht die Gegend einer Mondlandschaft. Etliche Häuser wurden abgerissen. Bäume und Sträucher sind eh nicht mehr vorhanden. Eine Mondlandschaft … wahrlich.

Aber auch hier fand ich ein Zeichen des Widerstands. Könnt Ihr Euch noch an die alte Dame erinnern, mit der ich im April 2014 traf. Sie ist noch da! Und obwohl ich nicht mit ihr sprechen konnte, freute ich mich. Denn ich hatte bei meinem letzten Gespräch schlimme Gedanken. Bitter war der Umstand, der mir ihr Dasein noch zeigte. Denn im Fenster ihres kleinen Hauses war ein Zettel angebracht: Dieses Haus ist noch bewohnt! Ich weiß, dass sie das nicht als leise Form des Widerstands meint. Es ist vielmehr ein Hinweis in Richtung der Vandalen und Metalldiebe, dass sie dieses Haus doch bitte verschonen sollen. Sie erzählte mir seinerzeit von dem Treiben dieser Menschen und ihre Angst vor ihnen. Die alte Dame will sich schützen. Bitter, dass das auf diese Art gesehen muss. Wirklich bitter.

Immerath - Impressionen von der sterbenden Gemeinde - Teil II


Mein bisherigen Besuche der Geisterstadt Immerath waren im
April 2014, Oktober 2014, November 2014, März 2015, Mai 2015 und Juni 2015. September 2015, Januar 2016, April 2017 und im Januar 2017. Nochmals im Juni 2017.

Selbstverständlich schaute ich mir auch den Totengräber von Immerath an.
Tagebergbau Garzweiler II

Wissenswertes zum Thema:
Liste abgebaggerter Orte
Doku Tagebergbau Garzweiler II