Geisterstadt Immerath.

Ein sterbendes Dort in Nordrhein-Westfalen.
Bald wird es komplett verschwunden sein.
Es muss dem Tagebergbau Garzweiler II weichen.

Geisterstadt in Deutschland.
Lost Place.

geisterstadt Immerath im Oktober 2014

Oktober 2014 ich versprach ja, dass ich Immerath nochmals besuchen werde. Gesagt, getan: Kurz nach Sonnenaufgang kam ich in Immerath an. Die Wettervorhersage versprach einen wundervollen Herbsttag, keine Wolken, viel Sonne. Ideale Voraussetzung für eine fotografische Erkundung. Wegen der frühen Stunde wunderte mich nicht, dass ich auf den Straßen keine Menschenseele traf. Später dann, so gegen Mittag, war die Ortschaft allerdings noch immer wie ausgestorben. Immerath stirbt.

Während ich bei meinem ersten Besuch im April des Jahres wenig Zeit hatte und meine Erkundung auf den Ortskern und den Norden der Stadt konzentrierte, durchstriff ich diesmal alle Straßen und insbesondere die Neubausiedlung im Süden der Gemeinde, die in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts entstand. Hier reihen sich schicke Einfamilienhäuser aneinander. Liebevoll gepflegte Heime, die nun alle dem Abriss zugeführt werden. Denn das Schicksal von Immerath ist nicht mehr aufzuhalten. Der Ort stirbt und im Osten vollbringen große Bagger bereits ihr zerstörerisches Werk. Ja Immerath stirbt. Langsam, aber unaufhaltsam.

Ich kann natürlich nur erahnen, was in den Herzen und Köpfen der Menschen vorgeht, die ihre Heimat aufgeben müssen. Selbst bin ich viel in Deutschland herumgekommen und ein Umzug in eine gänzlich fremde Region ist für mich nicht alltäglich, aber auch nicht neu. Das waren aber immer selbst gewählte Veränderungen. Was denkt und fühlt man, wenn man verwurzelt ist und plötzlich aufgefordert wird, Heim und Hof aufzugeben.

In den diversen Unterlagen der RWE, die ich mir in den letzten Tagen ansah, fand ich eine Anmerkung, welche mir doch sehr perfide vorkam. Sinngemäß heißt es dort, dass die Aufrechterhaltung von Vereinsstrukturen dem Ansinnen dienlich seien, die Menschen "zum Umzug zu bewegen". Also würde man das Engagement in Vereinen (am neuen Standort natürlich) fördern. Und prompt fand ich in den Mitteilungen, welche der Bürgerbeirat Immerath an die Nachbarn verteilte, einen entsprechenden Hinweis. Dort war zu lesen, dass die RWE die jährliche Förderung der Vereinsaktivitäten der Bürger (am alten Standort) in den Vereinsstätten (am neuen Standort) mit jährlich 3.000 Euro fördert. Ein Jahr zuvor waren es noch 2.000 Euro.



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