Die Welt, die fremde, lohnt mit Kränkung
Was sich umwerbend ihr gesellt:
Das Haus, die Heimat, die Beschränkung,
Die sind das Glück und sind die Welt.

Theodor Fontane
1819-1898

Geisterstadt Immerath

Fast 1000 Jahre gibt es diese Gemeinde schon und jetzt dies: Das kleine Örtchen Immerath in Nordrhein-Westfalen liegt unglücklicherweise im Abbaugebiet des Tagebergbaus Garzweiler und muss daher umsiedeln. In absehbarer Zeit wird von diesem Ort außer den Erinnerungen bisheriger Einwohnern, alten Bildern und Einträge im örtlichen Archiv nichts mehr übrig sein. Denn die Umsiedlung der Bevölkerung und anschließende Abriss aller Häuser soll 2017 abgeschlossen sein, damit dann die riesigen Schaufelbagger der RWE Schicht für Schicht das Erdreich abtragen können, um an die wertvolle Braunkohle darunter zu kommen.

Ich kann die Wut und Trauer der Menschen in Immerath gut verstehen: Sie wuchsen hier auf, ihre Familien leben seit Generationen im Ort und jetzt sollen sie Haus und Hof zum Zeitwert verkaufen. Ihnen wird großzügig angeboten, in den Ort "Immerath (neu)" umzusiedeln. Seit 2006 geht das nun schon so. Und ein Großteil der Menschen, die einst den besonderen Charme der Gemeinde ausmachten, folgte dem Angebote. Was bleibt ihnen auch anderes übrig.




Immerath - bisherigen Besuche

Seit Mitte 2014 besuchte ich wiederholt die Geisterstadt Immerath. Mich berührte das Schicksal der Menschen, die ihre Heimat aufgeben mussten. Obendrein war ich neugierig auf die Veränderungen, die der Gemeinde bevorstehen. Nachfolgend findest Du - in verschiedene Galerien unterteilt - jeweils eine kleine Dokumentation meiner Besuche.


Bildergalerien

Seit Mitte 2014 besuchte ich wiederholt die Geisterstadt Immerath. Mich berührte das Schicksal der Menschen, die ihre Heimat aufgeben mussten. Obendrein war ich neugierig auf die Veränderungen, die der Gemeinde bevorstehen. Nachfolgend findest Du - in verschiedene Galerien unterteilt - jeweils eine kleine Dokumentation meiner Besuche.

April 2014

Oktober 2014

November 2014

März 2015

Mai 2015

Juni 2015

September 2015

Januar 2016

April 2016

Januar 2017

Juni 2017

April 2018

Geisterstadt Immerath

Hinweise für Besucher

Ein Besuch der Geisterstadt Immerath wird zunehmend schwieriger. Tagsüber gibt es hier keine Probleme, sofern man ein paar Regeln befolgt. Am späten Nachmittag ändert sich die Situation dann. Und der Wachschutz nimmt seine Aufgabe sehr ernst. Drei Beispiele, die mir immer wieder geschildert werden, und auf die Du achten solltest:

(1) Fahrverbot ab 17.00 h: Ich wollte es selbst nicht glauben, deswegen sah ich nach. Und tatsächlich: An den Ortseingängen stehen Fahrverbotsschilder mit entsprechendem zeitlichen Hinweis. Wenn Du Deinen Wegen im Ort parken möchtest, solltest Du ihn vorher entfernen. Ich habe wiederholt gehört, dass der Wachschutz sofort reagiert. Er notiert das Kennzeichen und gibt es an die Polizei weiter. Ob diese wiederum reagiert, kann ich Dir nicht sagen. Auszuschließen ist es nicht ...

(2) Absperrungen innerhalb der Gemeinde: Zunehmend größere Teile der Gemeinde sind abgesperrt, weil man die Häuser abreist. Natürlich sind das für Besucher interessante Bereiche. Ich habe absolut Verständnis für diese Neugierte, doch der Wachschutz nicht. Er reagiert "deutlich". Meist verweist er Dich des Geländes, es kann auch größerer Ärger drin sein. Auch davon haben Besucher schon berichtet.

(3) Betreten von Grundstücken und Häusern: Das solltest Du auf keinen Fall machen. Du findest in den Häusern eh nichts mehr. Sie sind komplett leer und langweilig. Sollte Dich der Wachschutz antreffen, reagieren sie auf jeden Fall "ziemlich empfindlich". Schwere Diskussionen sind mindestens die Folge.

Ich kann jeden nur bitten, diese Regeln zu respektieren. Sie haben handfeste Gründe: Die wenigen Einwohner, die noch in Immerath wohnen, bangen um Ihre Sicherheit. Es gab viel zu viel Randale und Einbrüche von Metalldieben. Dir würde es ähnlich ergehen, wenn Du quasi allein in einem solchen Geisterdorf lebst.

In der Fremde erfährt man,
was die Heimat wert ist,
und liebt sie dann um so mehr.

Ernst Wichert
1831-1902

Sehenswürdigkeiten von Immerath

Viele Sehenswürdigkeiten hat Immerath nicht zu bieten. Die Pfarrkirche St. Lambertus ist da eine Ausnahme. Meinem Geschmack nach ist sie für den kleinen Ort etwas überdimensioniert – wahrscheinlich wird sie auch deswegen als „Dom von Immerath“ bezeichnet. Aber so ist die katholische Kirche halt: Wenn man Geld hat, muss man es auch ausgeben. Die neuromanische Basilika mit einem Doppelturm wurde zwischen 1888 und 1891 nach Plänen des Kölner Baumeisters Erasmus Schüller errichtet. Die Kirche wurde am 13. Oktober 2013 entwidmet. Das muss eine bewegende Feier gewesen sein, über die sogar das Nachrichtenmagazin Spiegel berichtete. Inzwischen gehört die Kirche der RWE, so dass sie ebenfalls abgerissen werden kann. [Nachtrag - Januar 2018: Der Dom von Immerath wurde am 9.1.2018 dem Erdboden gleich gemacht.]

Ein ähnliches Schicksal wird wohl auch die alte Mühle in der näheren Umgebung von Immerath ereilen. Aktuell gibt es zwar Diskussionen, ob das Gebäude an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden soll (Stand Anfang 2015), aber ich glaube nicht daran. Es wäre zu teuer ... leider.


Geisterstadt Immerath
Die alte Mühle von Immerath

Geisterstadt Immerath
Der "Dom von Immerath"