Herrenhäuser


Ich wünsche jedem,
der sich tapfer stellt zum Kampf mit aller Unbill dieser Welt,
ein trautes Plätzchen, wo er dann und wann die
ganze weite Welt vergessen kann.

Julius Freund
1862-1914


Ich gestehe: Ich bin immer ziemlich neidisch, wenn ich ein verlassenes Château besuche. Was muss das für ein Gefühl sein, wenn man es sich leisten kann, ein solches Herrenhaus einfach verkommen zu lassen. Ich lebe in einer kleinen Mietswohnung und gern wäre ich in der Lage, auch einfach mal so ein Herrenhaus verkommen zu lassen. Du weißt schon wie ich das meine. Entsprechend faszinierend empfinde ich diese Lost Places.

Und spannend sind die Geschichten, die um diese Herrenhäuser ranken: Eine Unternehmerfamilie, die einst pompös residierte und am Ende alles verlor. Oder ein despotischer Monarch, der zuerst sein Land plünderte, seine Widersacher umbrachte, um dann in Frankreich ein feudales Herrenhaus sein Eigen nennen zu können. Glücklicherweise ereilte ihn zum Ende seines Lebens eine gerechte Strafe. Beides zeigt mir, dass ich gut in meiner Mietswohnung aufgehoben bin. Beides möchte ich nicht sein oder erleben.