Heilstätte Hohenlychen


Eine interessanter Ort für Urban Explorer.
Lost Place in Deutschland.


Um 1900 sterben jährlich mehr als 180.000 Menschen an Tuberkulose. Insbesondere in Berlin wütete diese Seuche: Jeder dritte Todesfall in der Arbeiterschicht war auf TBC zurückzuführen und jede zweite Invalidität. Vor allem einfache Arbeiter, die in kleinen, engen und schmutzigen Wohnungen lebten, sich schlecht ernährten, steckten sich an. Man sagt, dass die TBC seinerzeit in Berlin mehr Todesopfer gefordert hat, als etliche Zeit zuvor die Pest.

Urban Exploring - Lost Places - Heilstätte Hohenlychen - Deutschland

Weitere Außenansicht der
Heilstätte Hohenlychen

Da keine wirksamen Medikamente zur Verfügung standen und die arbeitsfähige Bevölkerung schrumpfte bzw. die Rentenversicherungen auf ein finanzielles Desaster zusteuerten (denn Sie mussten entsprechende Invaliden- oder Hinterbliebenenrenten finanzieren), begann ein Kraftakt zur Bekämpfung der TBC. Der Staat und die Versicherungen arbeiteten Hand in Hand: Sie versuchten, die Menschen mittels umfangreicher Öffentlichkeitsarbeit aufzuklären. Dabei setzten Sie unter anderem Plakate ein, die einerseits helfen sollten, Tuberkulose frühzeitig zu erkennen und andererseits einfache Hygieneregeln vermittelten. Unabhängig davon begannen sie, in den Randbezirken rund um Berlin neue Heilstätten zu errichten, um Patienten abseits des Schmutzes der Großstadt behandeln zu können. In dieser Zeit entstanden unter anderem drei große Heilstätten, die ich allesamt besuchte - nämlich die Heilstätten Beelitz, die eigentlich einer kleinen Stadt gleich kamen, die Heilstätte Grabowsee und die hier gezeigte Heilstätte Hohenlychen.

All diese Heilstätten folgten letztlich einem Behandlungskonzept: Es wurde von Hermann Brehmer (*1826 - †1889) entwickelt. Brehmer war ein schlesischer Arzt und der erste ärztliche Leiter eines deutschen Sanatorium, in dem man systematisch die von ihm entwickelte Freilufttherapie anwendete. Sie wurde später häufig kombiniert mit einer Liegekur, was nichts anderes bedeutet, dass die Patienten sechs Stunden am Tag und optimalerweise in der Sonne auf Liegen ruhen. Zusätzlich gab es für die Patienten eine Wasser- und Saunabehandlung und sie wurden mit verdünntem Alkohol oder Salzwasser abgerieben.

Treibende Kraft bei der Finanzierung und Ansiedlung neuer Lungenheilstätten war wiederum Stabsarzt Gotthold Theodor Pannwitz (*1861 - †1926). Er war ein bedeutender Mediziner seiner Zeit und Gründer des Deutschen Zentralkomitees zur Errichtung von Heilstätten für Lungenkranke. Pannwitz war es auch, um die Jahrhundertwende über zehn Morgen Land in seiner Heimatstadt Lychen erwarb, damit dort eine Kinderheilstätte errichtet werden kann. Sie wurde aus Spenden und vom Heilstättenverein des Deutschen Roten Kreuzes unterhalten. Anfangs standen nur 20 – 30 Betten versuchsweise zur Verfügung. Innerhalb weniger Jahre stieg die Zahl der Betten (und somit der Patienten) auf 500 in den Sommermonaten und 300 im Winter.



Heilstätte Hohenlychen - Lost Place mit Charme

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1902 eröffnete der Heilstättenverein des Deutschen Roten Kreuzes, der bereits Betreiber der einige Jahre zuvor errichteten Heilstätte Grabowsee war, eine weitere Heilanstalt im Umland von Berlin. Während in Grabowsee ausschließlich Männer behandelt wurden, widmete sich die Heilstätte Hohenlychen der Behandlung von Kindern und später auch Frauen. Anlass dafür war ein Wunsch der Kaiserin Auguste Viktoria, den sich einige Zeit zuvor gegenüber dem Zentralkomitee des Roten Kreuzes äußerte. Und wie es seinerzeit üblich war: Der Wunsch der Kaiserin war letztlich ein Befehl. Der Heilbetrieb in Hohenlychen begann 1902 mit drei sogenannten Döcker’schen Baracken, die für jeweils 16 Mädchen und Jungen vorgesehen waren. Die Mahlzeiten konnten die Patienten in einem nahe gelegenen Gasthof einnehmen. Ab Sommer 1903 begann der systematische Ausbau der Anlage. Die finanziellen Mittel dafür kamen teilweise direkt von der Deutschen Kaiserin.

Im Gegensatz zu anderen Heilstätten, in denen vornehmlich Männer oder Frauen behandelt wurden, gab es in Hohenlychen eine Besonderheit: Bestandteil des Aufenthalts war auch der Schulbesuch der Kinder, für den eigens ein kleines Schulgebäude errichtet wurde. Jedes Kind bekam eine Stunde Unterricht pro Tag – sogar in den Ferien. Beliebt war das nicht, was man sicher gut nachvollziehen kann.


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1905 folge eine weitere Besonderheit – nämlich eine Abteilung für knochen- und gelenktuberkulöse Kinder. Die Kronprinzessin Cecilie machte es durch großzügige finanzielle Zuwendungen möglich. Das Cecilienheim wurde ihr zu Ehren so benannt. Es war nicht nur die erste Heilstätte für Kinder in ganz Preußen, sondern auch die erste Klink, die chirurgische und orthopädische Behandlungen für Kinder anbot. Heute eine Selbstverständlichkeit, damals ein Novum.

Alles in allem entstanden in den Folgejahren fünfzehn verschiedene medizinische Fachabteilungen. Zu Ehren der großzügigen Kaiserfamilie wurden sie beispielsweise Viktoria-Luise-Kinderheilstätte oder Kaiserin-Auguste-Viktoria-Sanatorium genannt. Es gab aber auch das Kinderheim „Weltfrieden“.


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Mit dem Bau der Heilstätten entwickelte sich Lychen zu einem Luftkurort. Vor dem Zweiten Weltkrieg stand die Behandlung von TBC-Kranken im Vordergrund. Im Dritten Reich änderte sich abrupt der Bestimmungszweck dieser weitläufigen Anlage: Die Nationalsozialisten setzten bereits am 1. November 1933 Himmlers Leibarzt Karl Gebhardt als Chefarzt in Hohenlychen ein, der die Tuberkuloseheilstätte schloss und hier eine moderne "Klinik für Sport- und Arbeitsmedizin" einrichten ließ. Fortan wurden viele prominente Nationalsozialisten in Hohenlychen behandelt. Und im Jahr 1936 wurden hier die deutschen Sportler der Olympischen Spiele versorgt. Von Ihnen wurde viel erwartet - also wollte man ihnen auch die beste Fürsorge zukommen lassen.

Als in den letzten Kriegstagen die sowjetischen Verbände vorrückten, fanden sie die Heilstätten völlig intakt vor. Seitdem wurden die Heilstätten als Militärhospital bis zum Abzug der russischen Truppen im Jahre 1993 genutzt. Heute stehen die Bauten leer und warten auf eine neue Bestimmung.


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Abschließend empfehle ich Dir die Lektüre des nachfolgenden Textes.
Er beschreibt Verbreitung und Bekämpfung der Tuberkulose
in der Wilhelminischen Zeit.

Er ist zwar etwas trocken, dafür aber inhaltlich
ausgesprochen spannend für Interessierte.

Tuberkulose während der Wilhelminischen Zeit

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