Lungenheilstätte


Weh mir! Es sitzt in meiner Brust.
Und drückt und nagt mich sehr.
Mein Leben ist mir keine Lust
Und kein Freude mehr.

Ich bin mir selber nicht mehr gleich.
Bin recht ein Bild der Not,
Bin Haut und Knochen,
blaß und bleich.
Und huste mich fast tot...

Matthias Claudius
"Lied für Schwindsüchtige"


Tuberkulose - Volkskrankheit in Europa


Die Tuberkulose (kurz TBC, früher auch als Schwindsucht bezeichnet) ist eine weltweit verbreitete bakterielle Infektionskrankheit. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass selbst heute noch jährlich bis zu 1,8 Millionen Menschen an ihr sterben. Die TBC begleitet die Menschen schon seit etlichen Jahrhunderten. Selbst Hippokrates (460 bis 370 v. Chr.) kannte bereits die TBC. Er beschrieb sie ausführlich und kam zum Schluss, dass die meist tödlich endet.

Wie schützt man sich und andere vor Tuberkulose?

Plakat aus den 1930er-Jahren
Quelle

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Tuberkulose die häufigste Todesursache von 15- bis 40-Jährigen. Über die Hälfte aller Todesfälle in der Altersgruppe gehen auf ihr Konto. Die TBC betraf zwei Bevölkerungsgruppen besonders: Allem voran ist die einfache Arbeiterschicht zu nennen. Räumliche Enge, schlechte Ernährung und Vitaminmangel waren häufige Ursachen für die Verbreitung der TBC. Interessanterweise war aber auch das vornehme und gehobene Bürgertum von der Tuberkulose besonders stark betroffen.

Lange Zeit gab es kein Heilmittel gegen die Tuberkulose. Die Wissenschaft war schlicht noch nicht so weit, zu erkennen, dass es sich um winzige Bakterien handelt, die die Krankheit übertragen. In ihrer Hilflosigkeit sahen die Ärzte daher Erholung, frische Luft und gute Ernährung als die beste Therapie an. In den seinerzeit entstandenen Luftkurorten und Lungensanatorien konnten sich allerdings nur die Reichen eine Unterkunft leisten. Den Arbeitern waren diese Orte verschlossen; sie waren für sie unbezahlbar. Thomas Mann, Literaturnobelpreisträger, setzte den frühen Sanatorien, in denen Wohlhabende Ihre Krankheit kurierten, mit seinem Roman "Der Zauberberg" ein Denkmal.


Sanatorien und Lungenheilstätten in Europa


Es waren die Rentenversicherungsträger der Arbeiterklasse, die Anfang des 19. Jahrhunderts erkannten, dass Vorsorge und Heilung deutlich günstiger für die Rentenkassen ist, als den Invaliden oder Angehörigen stetig Geld zu bezahlen. Manchen mag es stören, dass ein wirtschaftliches Kalkül dazu führte, dass man sich endlich auf das Heer der Kranken (nämlich die Arbeiter) und mehr nur auf die Elite konzentrierte; mir ist das letztlich schnuppe, denn endlich begann man zu helfen. Und das zählt für mich und ist zu guter Schluss auch Ausgangspunkt meiner Lost-Place-Serie, die ich hier zeige.

Die ersten Anzeichen der Lungentuberkulose

Plakat aus den 1930er-Jahren
Quelle

Wie gesagt: Anfang des 19. Jahrhunderts gab es noch keine Medikamente, die man hätte erfolgreich gegen die Tuberkulose einsetzen können. Man ging davon aus, dass gute Ernährung, viel Licht und Sonne und ausgiebiges Ruhen den Genesungsprozess in Gang setzen wird.

Es lag nahe, das Konzept der "Luftkurorte für die Reichen" auch auf die Arbeiterschicht zu übertragen. Der Begriff der "Lungenheilstätte" wurde damals geboren und prägte bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts den Sprachgebrauch. Landauf, landab entstanden an ruhigen, abgeschiedenen Orten Sanatorien, in denen - streng getrennt nach Geschlechtern - die TBC-Patienten umsorgt wurden.

Man sollte allerdings nicht denken, dass die Orte allein wegen der Heilzwecke so abgelegen gewählt wurden. Nein ... wenn bekannt wurde, dass irgendwo ein Sanatorium stadtnah entstehen soll, formierte sich schnell wilder Protest dagegen. Die Menschen hatten Angst vor dieser heimtückischen Krankheit.

Aber zurück zum Thema: Die Rentenversicherungsträger errichteten ein Netz moderner Heilstätten. Die Bezeichnung "Krankenhaus" ist für diese Einrichtung recht unpassend, da es nicht beabsichtig war, eine "klinische" Behandlung durchzuführen, sondern eine Besserung des Gesundheitszustands durch einen Ortswechsel, eine Unterbrechung der Berufstätigkeit, eine Ernährungsumstellung, eine sog. hygienische Belehrung und eine im weiteren Sinne psychische wirksam werden Einflussnahme zu erreichen. Demnach konzentrierte sich die Auswahl der zu behandelnden Patienten auch nur auf diejenigen, bei denen eine hohe Chance bestand, dass sie später wieder ins frühere Arbeitsleben zurückkehren können. Schwerkranke oder "hoffnungslose Fälle" wurde im Regelfall gar nicht aufgenommen.

Die Sanatorien waren im Regelfall Bauten mit sagenhafter Architektur und meist große, zusammenhängende Gebäudekomplexe, die irgendwie kleinen Städten ähnelten. Die Heilstätten Beelitz bei Berlin sind ein eindrucksvolles Beispiel dafür, aber auch die Heilstätte Grabowsee oder das französische Sanatorium Dreux. Die meisten Häuser hatten große Sonnenterassen und Gärten, weil die Ultraviolettstrahlung und frische Luft die Heilung fördern (sollten).

Viel, viel später - nämlich nachdem endlich wirksame Medikamente gegen die Tuberkulose entwickelt wurden - verloren die Lungenheilstätten aus dem frühen 19. Jahrhundert an Bedeutung. Der Unterhalt wurde zu teuer und die Anzahl der Patentien nahm rapide ab. Viele wurden geschlossen und andere wandelten sich in moderne Behandlungszentren für Krebsleidende, der neuen Volkskrankheit in Europa.


Lungenheilstätten in Deutschland

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      Johanniter-Heilstätten

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      Sanatorium Schwarzeck

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      Heilstätte Hohenlychen

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      Sanatorium Tondorf

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Lungenheilstätten in Europa

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      Sanatorium Spillermann

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Der Übeltäter: Bakterium Mycobacterium


Im Jahr 1882 gelang es dem Forscher Robert Koch erstmals, das Bakterium Mycobacterium tubercolosis zu beschreiben. Ein Heilmittel war damit allerdings noch lange nicht gefunden. Der erste Erfolg bei der Immunisierung gegen die Tuberkulose wurde von Albert Colmette und Cemile Guérin im Jahr 1916 erzielt. Ihr neues Medikament kam erstmals 1921 zur Anwendung. Es dauerte aber noch etliche Jahre, bis die Tuberkulose in Europa auf dem Rückzug war. Das bedurfte weiterer wissenschaftlicher Errungenschaften. Mit der Entwicklung des Antibiotikums Streptomycin im Jahre 1946 wurde erstmals eine effektive und aktive Behandlung möglich. Die Hoffnung, dass man die Tuberkulose vollständig ausrotten kann, kam in den 1980er-Jahren ins Wanken. Man entdeckte resistente Stämme des Bakteriums Mycobacterium.


Wissenswert!

Wenn Du Dich mit dem Thema Tuberkulose näher befassen möchtest,
ohne wissenschaftliche Abhandlungen zu lesen, so empfehle ich Dir folgende Links.

Die preußischen Lungenheilstätten 1863-1934
Berlin: Der Kampf gegen die Tuberkulose!

Tuberkulose - Seuchengeschichte
Geschichte der TBC-Behandlung
Tuberkulose in der wilhelmischen Zeit


Obendrein empfehle ich Dir ein Video bei Youtube.
Es ist empfehlenswert für alle, die auf
leicht bekömmliche Weise mehr über Tuberkulose
und Dr. Robert Koch wissen wollen.


Lesenswerte Bücher!

Lungenheilanstalten und Patientenschicksal
Kritische Studie zur Geschichtswissenschaft
Band 137 - Göttingen 2000
von Flurin Condrau

Der Rückgang der Schwindsucht trotz Schutzimpfung
von Gerhard Buchwald
(Der Auto war 1848 Patient im Sanatorium Stubbe und
später Arzt am Sanatorium Sülzhayn.)

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