Sanatorium Dreux


Ein Klassiker für Urban Explorer.
Lost Place in Frankreich.


Es gibt nur wenige Lost Places, die mich so in ihren Bann zogen. Das Sanatorium Dreux (auch als Clinique Laennec bezeichnet) gehört zweifelsfrei dazu. Obwohl die bereits 1956 geschlossene Lungenheilstätte heute nur noch eine Ruine ist und nichts mehr vom ehemaligen Mobiliar vorhanden ist, berauschte mich die besondere Architektur der Heilstätte. Beim Erkunden des Sanatorium Dreux konnte ich mir sogar lebhaft die frühere Betriebsamkeit auf den langen Gängen und den vielen Krankenzimmern vorstellen. Ich sah vor meinem geistigen Auge die vielen Patienten, die vom Personal liebevoll umsorgt werden, damit sie die tückische Tuberkulose überwinden können. Ich sah wie sie in den ehemaligen Gärten wandelten oder in Liegestühlen auf einem der unzähligen Südbalkons lagen.


Lost Place - Sanatorium Dreux

Urban Exploring


Letztlich ist es dem unermütlichen Schaffen von Maurice Viollette zu Maurice Viollette zu verdanken, dass ich mir heute das eindrucksvolle Sanatorium Dreux ansehen kann. Er war von 1908 bis 1959 Bürgermeister der Gemeinde westlich von Paris. Und er verschrieb sich früh dem Kampf gegen die Tuberkulose, die damals auch in Frankreich tausende Menschen dahinraffte.

Offiziell wurde die Lungenheilstätte 1932 in Betrieb genommen. Nach und nach zogen die Patienten ein und ich gehe davon aus, dass sie ebenfalls von der Architektur begeistert waren. Denn das Sanatorium besteht im Kern aus drei mehrere hundert Meter lange Gebäude, in denen sich Krankenzimmer an Krankenzimmer reihen. Die drei Bauten sind wiederum mit einem langen Quergang miteinander verbunden. Natürlich gab es verschiedene Speisesäle, weitläufige Gärten, ein Theater und etliche andere Annehmlichkeiten, um die Patienten von ihrem Schicksal abzulenken.



Während des Krieges durchlebte das Sanatorium Dreux schwere Zeiten. Spannend ist in diesem Fall das Protokoll einer Verwaltungsratssitzung. Maurice Viollette höchstpersönlich berichtete am 19. Juni 1949 von den Ereignissen der Tage zuvor: „Am 9. Juni bombardierten deutsche Flugzeuge die Stadt Dreux. Die Patienten mussten noch in der Nacht und mit großer Eile evakuiert werden. Besonders beklagenswert ist, dass in dieser Nacht etliche Mitarbeiter nicht zurückkehrten, um sich um die Patienten zu kümmern. Auch einige Mitarbeiter der Verwaltung und insbesondere der Direktor des Sanatoriums erschienen nicht mehr. Daher musste die Leitung einer sehr jungen und unerfahrenen Mitarbeiterin übergeben werden.“