Sanatorium Menzel


Ein Klassiker für Urban Explorer.
Lost Place in Deutschland.


Das imposante Sanatorium Menzel [Name geändert] ist ein trauriges Beispiel dafür, wie die Starrköpfigkeit einer Gemeinde über Jahrzehnte hinweg durchaus nachvollziehbaren wirtschaftlichen Überlegungen finanzstarker Investoren entgegenstehen kann.

Leidtragende dieser langjährigen Auseinandersetzung, die zwischenzeitlich auch mehrere Gerichte und Instanzen beschäftigte, sind allerdings die Gemeinde selbst (denn sie hat einen baulichen Schandfleck mitten im Herz ihres schicken Kurortes) und natürlich das unter Denkmalschutz stehende Gebäude selbst, welches heute eine bauliche Ruine ist und dem per Sondergenehmigung nun der Abriss droht.


Lost Place - Sanatorium Menzel

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Was ist passiert?

Der umfangreiche Gebäudekomplex des Sanatoriums steht seit 1978 leer. Sein damaliger Eigentümer – nämlich die LVA Hessen – konnte den Heilbetrieb dort nicht mehr kostendeckend organisieren und sah auch keine Chancen für die Zukunft. Seither interessierten sich wechselnde Investoren für das Grundstück. Doch alle Versuche, eine Nachnutzung auf die Beine zu stellen, scheiterten im Regelfall bereits während der Planungsphase. Denn eine 1977 von der Gemeinde verlassene Kurverordnung legte fest, dass alle Gebäude im Herzen der Gemeinde ausschließlich zu Kurzwecken genutzt werden dürfen. Kurhäuser, Sanatorien oder Kliniken sind erlaubt. Auch Läden oder Dienstleistungsbetriebe, die dem Kurbetrieb zuträglich sind. Selbst das im Herbst 1996 von der Bundesregierung beschlossene Sparpaket, welches u.a. den Druck auf Kurbetriebe enorm erhöhte, führte bei den Gemeindeoberen zu keinem Sinneswandel. Weitblick oder Engstirnigkeit – dies lässt sich wahrscheinlich erst in ein paar Jahren sagen.

Fest steht, dass zuletzt die Pläne einer Investorengruppe, dort ein Seniorenheim zu errichten, abgeschmettert wurden. Nicht einmal eine Zwangsversteigerung im Jahr 2000 brachte einen Wandel. Es folgten weitere Jahre des Stillstand und des schleichenden Verfalls des Sanatoriums. Im Dezember 2012 begann das vorerst letzte Kapitel dieser Geschichte. Die Gemeindeverwaltung beschloss ein Novum – nämlich den Abriss des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes. Nachnutzung des Grundstücks? Unbekannt.



Abschließend ein paar Worte zur Geschichte des Sanatoriums: Sanitätsrat Dr. Med. Edgar Menzel [Name geändert] praktizierte lange Jahre mit großem Erfolg in Berlin. Anfang des 20. Jahrhunderts entschloss er sich, in Süddeutschland ein Sanatorium für innere Erkrankungen und Diätkuren er errichten. Die Eröffnung des nach ihm benannten Kurhaus feierte er 1906. Wegen wachsender Nachfrage erweiterte er das Anwesen bereits 1912/13 um ein noch größeres Nachbargebäude.

Über Jahre hinweg wurde das Sanatorium nur in den Sommermonaten – also vom 1. März bis zum 31. Oktober eines Jahres – betrieben. Die übrige Zeit verbrachte Menzel in Berlin. Als der Gründer 1929 verstarb, übernahm sein Sohn Edgar Sigmund die Leitung der Heilstätte. Da die Familie jüdischer Abstammung war, kam es bald nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zum Bruch. Die Familie emigrierte 1935 nach Amerika. Die Nazis führten unter neuer Regie den Betrieb des Sanatoriums fort und auch nach dem Zweiten Weltkrieg dienten die Gebäude als Heilstätte – jetzt allerdings unter treuhänderischer Verwaltung.

1955 übernahm die hessische Landesversicherungsanstalt das Sanatorium. Sie nutzte den Gebäudekomplex bis 1978. Seither steht die Heilstätte leer.