Sanatorium Vexin


Eine Ruine und dennoch
Klassiker für Urban Explorer.
Lost Place in Frankreich.


Krankheit und Leid kennt keine Grenzen! Ich berichtete ja bereits davon, dass Anfang des letzten Jahrhunderts die Tuberkulose in und um Berlin besonders stark wütete und die Todesursache Nummer eins war. Ähnlich war es in Paris und den umliegenden Departements.

Insofern beschlossen die Oberen des ehemaligen Départements Seine-et-Oise, in einem 73 Hektar großen Park eine Lungenheilstätte zu errichten, um dem Herr der Erkrankten begegnen zu können. Sie schrieb einen Architektenwettbewerb aus. Édouard Crevel und Paul-Jean Decaux gewannen ihn und erschufen zwischen 1931 und 1933 das wahrlich eindrucksvolle Sanatorium Vexin nahe der keinen Gemeinde Aincourt im o.g. Departement.

Alles in allem entstanden drei Pavillons – jeweils für 150 Männer, Frauen und Kinder. Sie wurden in einem Abstand von 400 Metern gebaut und sind 200 Meter lang und zwölf Meter breit. Und natürlich sind sie konsequent nach Südost ausgerichtet, um die Sonnenstrahlung optimal nutzen zu können. Zur Erinnerung: Damals bestand die TBC-Therapie unter anderem aus regelmäßigen Sonnenbädern. Die Sanatorien seiner Zeit bestanden immer aus eine Vielzahl kleiner Krankenzimmern mit anschließendem Balkon, wo die Patienten in Liegestühlen die Sonne genießten. Die drei lang gezogenen Pavillons des Sanatorium Vexin sind allesamt aus Stahlbeton. Als Bodenbelag wurde Granit verbaut. Sie besitzen am Ende jeweils Anbauten, die im Westen medizinische Anwendungen und im Osten Küchen, Speisesäle und Freizeiträume beinhalteten. Die dreistöckigen Bauten sind terrassenförmig mit großen Fenstern und den bereits angesprochenen Balkonen.


Lost Place - Sanatorium Vexin

Urban Exploring

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Während des Krieges durchlebte das Sanatorium Dreux schwere Zeiten. Spannend ist in diesem Fall das Protokoll einer Verwaltungsratssitzung. Maurice Viollette höchstpersönlich berichtete am 19. Juni 1949 von den Ereignissen der Tage zuvor: „Am 9. Juni bombardierten deutsche Flugzeuge die Stadt Dreux. Die Patienten mussten noch in der Nacht und mit großer Eile evakuiert werden. Besonders beklagenswert ist, dass in dieser Nacht etliche Mitarbeiter nicht zurückkehrten, um sich um die Patienten zu kümmern. Auch einige Mitarbeiter der Verwaltung und insbesondere der Direktor des Sanatoriums erschienen nicht mehr. Daher musste die Leitung einer sehr jungen und unerfahrenen Mitarbeiterin übergeben werden.“

Während des Zweiten Weltkriegs bzw. der deutschen Besatzung Frankreichs kehrte sich die Mildtätigkeit dieses Ortes ins Gegenteil. Das Sanatorium Vexin wurde als Internierungslager für Kämpfer der Résistance missbraucht. Es ist davon auszugehen, dass das für die Insassen keine erbauliche Zeit war und sie mit Sicherheit nicht die Sonne im Liegestuhl genießen konnten. Immerhin gibt es etliche Berichte, dass die Deutschen mit ihren Gefangenen alles andere als verantwortungsvoll umgingen. Später funktionierten die Besatzer das Sanatorium Vexin abermals um. Sie nutzten es als Lager für Frauen, die von hier aus ins KZ Ravensbrück deportiert wurden.

1946 wurde das Sanatorium Vexin wieder seiner eigentlichen Bestimmung übergeben.



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Ich behaupte einmal, dass ich einen robusten Seelenzustand habe, wenn ich mir Lost Places ansehe. Mich bringt nicht so schnell etwas aus der Ruhe. Beim Sanatorium Vexin war das anders. Selten besuchte ich einen solch düsteren Ort. Eines der Sanatorien liegt mitten im Wald und die Natur rückte bis an die Stahlbetonmauern des Gebäudes heran. Kein Vogel, kein Knacken im Gebüsch … Stille beherrschte das Ambiente. Und die Heilstätte selbst war im Grün kaum zu erkennen. Unheimlich!

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