Russische Truppen in der DDR


Arbeiten lernen,
das ist gegenwärtig die Hauptaufgabe
wirklich des ganzen Volkes in der Sowjetrepublik.
Erreichen, daß alle lesen
und schreiben können;
auf keinen Fall dabei stehenbleiben,
sondern um jeden Preis weitergehen
und alles wirklich Wertvolle aus der
europäischen und amerikanischen Wissenschaft
übernehmen – das ist unsere
vorrangige und wichtigste Aufgabe.

Wladimir Iljitsch Lenin
1870-1924


Die Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (kurz GSSD) waren Land- und Luftstreitkräfte der Sowjetarmee, die von 1954 bis 1994 in der Sowjetischen Besatzungszone, in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und in der Bundesrepublik Deutschland stationiert waren. Die GSSD ging 1954 aus den russischen Besatzungstruppen hervor. Die Kasernierte Volkspolizei und Nationale Volksarmee der DDR waren der GSSD untergeordnet. Sie hatten zusammen die Aufgabe, das Staatsgebiet der DDR gegen die NATO zu sichern. Zu diesem Zweck unterhielt die GSSD zeitweise an 276 Orten mehr als 770 Kasernen. Das Oberkommando befand sich in Wünsdorf und einer der größten Standorte war die Garnison Vogelsang nahe Berlin.

Die sowjetischen Einheiten waren ein offensiv ausgerichteter Truppenverband. Der Ausbildungsstand der Soldaten war hervorragend. Sie galten als Elitetruppe innerhalb der gesamten sowjetischen Streitkräfte. 1991 bestand die GSSD noch aus sechs Armeen und 24 Divisionen. Zum Höhepunkt des Kalten Kriegs verfügte sie über modernste Waffentechnik (inklusive Nuklearwaffen). Panzerverbände, die nahe der Grenze zur BRD stationiert waren, sollten als direkte Reaktion auf Offensivwaffen der NATO eingesetzt werden.

Die GSSD erhielt die modernste Waffentechnik stets früher als alle anderen Armeen der Sowjetunion. Hier wurden zudem bestimmte Ausbildungsmethoden und Führungssysteme erprobt. Diese Maßnahmen unterstrichen nicht nur den elitären Charakter dieser Truppen, sondern machten deutlich, dass es sich bei der GSSD um eine voll angriffsfähige Gruppierung handelte. Alle ihre Einheiten und Verbände waren komplett mit Personal, Gerät, Munition und Versorgungsgütern ausgestattet und standen zur unverzüglichen Kampfhandlung bereit.

Urban Exploring

Russische Truppen in der DDR

    • GSSD-Haus der Offiziere Wünsdorf

    • Urban Exploring - GSSD-Garnision Vogelsang - Deutschland

      GSSD-Garnison Vogelsang

    • Urban Exploring - GSSD-Kaserne Liondow - Heeresbekleidungsamt Bernau - Deutschland

      GSSD-Kaserne Lindow

    • GSSD-Infanterieschule Wünsdorf

    • Urban Exploring - GSSD-Kaserne Forst Zinna - Deutschland

      GSSD-Kaserne Forst Zinna

    • Urban Exploring - GSSD-Kaserne Kummersdorf - ehem. Heeresversuchsanstalt Kummersdorf - Deutschland

      GSSD-Kaserne Kummersdorf

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      Medical Train - ein Geheimprojekt in der DDR, vornehmlich zur Versorgung russischer Truppen im Kriegsfall

    • Urban Exploring - GSSD-Militärkrankenhaus Jüterbog - Deutschland

      GSSD-Militärkrankenhaus Jüterbog

    • Urban Exploring - GSSD-Kaserne Lützendorf - Deutschland

      GSSD-Kaserne Lützendorf

    • Urban Exploring - GSSD-Flugplatz Finow - Deutschland

      GSSD-Flugplatz Finow



Ihr führt Krieg?
Ihr fürchtet euch vor einem Nachbarn?
So nehmt doch die Grenzsteine weg –
so habt ihr keinen Nachbarn mehr.
Aber ihr wollt den Krieg und
deshalb erst setztet ihr die Grenzsteine.

Friedrich Nietzsche
1844-1900



Nach der deutschen Wiedervereinigung begann die größte Truppenverlegung der jüngsten Zeit. Damals waren in Deutschland 337.800 Soldaten stationiert, die mit weiteren 208.400 Zivilangestellten zusammenarbeiteten. Der Fuhrpark umfasste unter anderem 4.100 Panzer sowie knapp 8.000 gepanzerte Fahrzeuge.

In den Kasernen der russischen Streitkräfte lagerten fast 700.000 Tonnen Munition aller Art, 4.200 Kampfpanzer und weitere 8.000 gepanzerte Fahrzeuge. Das war eine gigantische logistische Aufgabe, die dadurch erheblich erschwert wurde, weil sich die Sowjetunion damals selbst im Zerfall befand. Man wusste teilweise gar nicht, wohin mit Mann und Material. Für den Abzug der GSSD-Truppen wurde der Seeweg (Rostocker Hafen, Hafen Mukran auf Rügen) und der Schienenweg über Polen genutzt. Er war 1994 abgeschlossen.

Nach und nach offenbarte sich dann der enorme Schaden, den die GSSD als Erbe hinterlassen hat: Die Russen nutzten zwischen Ostsee und Erzgebirge insgesamt 350.000 Hektar DDR-Boden. Das ist eine Fläche so groß wie das Saarland. Sie unterhielten Kasernen, Lazarette und Wohnsiedlungen für die Offiziere und deren Familien. Mehr als 70 Prozent der Fläche waren jedoch Truppenübungsplätze, Flughäfen oder Raketenstationierungsorte.

Nach Abzug der Sowjetarmee erfolgte dann eine Bestandsaufnahme, die eine ökologische Katastrophe offenbarte. „Zerwühlt, verseucht und komplett kaputt“, so das deprimierende Fazit eines Beamten des Umweltministeriums. Und Brandenburgs Ministerpräsident Stolpe beschrieb den Zustand der GSSD-Liegenschaften als „das brennendste Problem der Gegenwart“, weil hier eine ökologische Zeitbombe tickt. Er prognostizierte, dass die Sanierung Jahre dauern würde … wenn nicht sogar Jahrzehnte. Und er hatte Recht.



Exkurs - Heilstätten der russischen Truppen

Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden in Ostdeutschland etliche Lungenheilstätten zur Bekämpfung der Tuberkulose. Nach dem Zweiten Weltkrieg eigneten sich die russischen Truppen in der DDR diese Heilstätten an. Sie nutzen Sie teilweise im Sinne bisheriger Bestimmung - also zur Behandlungen von Lundenkranken. Teilweise widmeten sie sie allerdings auch um und richteten Fachkrankenhäuser für ihr militärisches Personal ein. Einige die ehemaligen Lungenheilstätten besuchte ich. Du findest diese und weitere Einrichtungen, wenn Du dem Link folgst. Hier zeige ich Dir nur eine kleine Auswahl.

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      Heilstätte Hohenlychen

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      Heilstätten Beelitz

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      Heilstätte Grabowsee


Wissenswertes!

Roter Stern über Deutschland. Bei Youtube fand ich eine sehenswerten, dreiteilige Dokumentation. Selbst als einigermaßen Informierte sah ich mir die Sendungen mit großem Interesse an. Ich kann Sie Dir nur empfehlen.

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