ghost towns

"Ja, man soll die Fremde kennenlernen,
aber früher noch die Heimat,
man soll soviel als möglich sehen,
aber vor allem sein eigenes Vaterland,
und wer die Fremde besser kennt als die Heimat,
in der er lebt, der wird aufgeblasen,
verschroben und manchmal dumm."

Peter Rosegger
1843-1918

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lost places - ghost towns in europe


Der Volksmund versteht unter einer Geisterstadt (engl. ghost town) eine abgelegene und von früheren Bewohnern schon vor vielen Jahren aufgegebene Siedlung. Sie besteht meist aus einer Ansammlung mehr oder weniger verfallener Gebäude. Im weiteren Sinne bezeichnet man jedoch auch kleinere Orte, in denen kaum noch Menschen leben und deren Straßen deswegen verlassen wirken, als Geistersiedlung oder Geisterdorf.

Wahre Klassiker unter den Geisterstädten sind die Diamantenstädte Elisabethbucht und Kolmanskop in Namibia. Einst belebt und beliebt – dann aufgegeben, weil die Diamantenminen, die sich in Nähe zu den Orten befanden, geschlossen wurden. Denkt man an Geisterstädte, kommen einem jedoch auch schnell die heute schlummernden Goldgräbersiedlungen in den Vereinigten Staaten in den Sinn. Ich spreche von Orten wie Bodie, Calico oder Jerome in den USA. Sie zählen ebenfalls zu den Klassikern. Sie ereilte im vorletzten Jahrhundert das gleiche Schicksal. Der Goldrausch war vorbei … die Städte wurden aufgegeben und sind heute eine schaurig schöne Touristenattraktion.

Man könnte also meinen, dass nur Siedlungen aus längst vergangenen Zeiten als Geisterstädte enden. Und, dass das in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr vorkommt. Falsch. Ich denke beispielsweise an Kadyktschat in Russland. Weit ab der nächsten Siedlung wurde der Ort erst Mitte des letzten Jahrhunderts von Kriegsgefangenen aus dem Boden gestampft und diente lange Zeit als Bergbausiedlung. Auch das bewegende Schicksal von Prypjat in der Ukraine ist ein gutes Beispiel. Der Ort liegt quasi in Sichtweite des Unglücksreaktors von Tschernobyl und musste nach dem Unglück im Jahr 1986 wegen der hohen Strahlenbelastung von seinen Bewohnern (widerwillig) aufgegeben werden.

Aus europäischer Sicht liegen all diese Ortschaften irgendwo im Nirgendwo. Weit weg und somit für uns nicht greifbar … also nicht existent. Es bleibt also der Eindruck, dass es Geisterstädte in Europa nicht gibt. In gewisser Weise: Was nicht sein kann … das ist auch nicht. Der Siedlungsraum in Europa in knapp, die Grundstückspreise hoch. Da wird doch nicht eine komplette Gemeinde ihr Hab und Gut aufgeben, die Heimat verlassen, um an einen anderen Fleck der Erde ganz neu anzufangen.

Ebenfalls falsch. Geisterorte gibt es auch in Europa. Und gar nicht so wenig wie man annehmen könnte. Beginnen wir einfach mal und beispielhaft in Italien. Dieses erdbebengeplagte Land hat hinsichtlich „moderner Geisterstädte“ einiges zu bieten. Besonders bekannt durch Film und Fernsehen ist sicherlich die Geisterstadt Craco in Süditalien. Weniger bekannt wird die sizilianische Stadt Poggioreale sein. Das ist ein kleiner Bergort, der 1968 nach einem schweren Erdbeben von den Menschen aufgegeben werden musste und der noch heute den Eindruck einer (lediglich) schlafenden Stadt vermittelt.


Geisterstädte in Europa
s/w-Fotografie von Thomas Deicke

Kamera: Canon 1 DS MK II
Objektiv: SIGMA 24-70mm F2,8 DG
Datum: 2008 bis 2020



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"Nicht da ist man daheim,
wo man seinen Wohnsitz hat,
sondern wo man verstanden wird."

Christian Morgenstern
1871 - 1914


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